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MEDIZIN UND INDIVIDUELLE ENTWICKLUNG -
was ist an der anthroposophischen Medizin so anders?


Eines der charakteristischen Merkmale des Menschen ist es, dass er sich Zeit seines Lebens immer weiterentwickelt.

Die größten offensichtlichen Entwicklungsschritte werden in der Kindheit und Jugend vollbracht. Der Entwicklungsstrom reißt aber bis ins hohe Alter nicht ab.

Sich entwickeln bedeutet vielerlei: es bedeutet, dass ein Mensch sich verändert. Etwas war einmal so und wird in Zukunft anders.

Alte Gewohnheiten werden zu Gunsten neuer aufgegeben. Sicherheiten werden verlassen, um Neues, Unbekanntes zu erforschen. Ich werde Dinge tun, die ich vorher nie getan habe.

Eine natürliche Risikobereitschaft und Beweglichkeit ist Voraussetzung und den Kindern oft einfach gegeben.

Es dürfen auch, ja es müssen sogar Fehler gemacht werden, damit eine Einsicht, eine Erkenntnis und ein Lernprozess erfolgen kann: "so soll´s nicht noch einmal sein", "ich will´s nicht mehr so tun, sondern ganz anders" usw..

Und ich darf auch einmal Zeit haben. Ich muss nicht immer perfekt funktionieren. Ich darf auch Schwächen und Ängste zeigen. Ich darf lernen, probieren und üben.

Der Blick des sich Entwickelnden ist nach vorne, in die Zukunft gerichtet. Es gibt einen Hoffnungsschimmer, ein Vertrauen, dass es immer weitergehen wird und dass der Weg an ein (mein individuelles) Ziel führt.

Wenn wir heute aufmerksam die Kinder und ihr Umfeld beobachten, so fällt uns auf, dass sowohl im sozialen Miteinander, in der Pädagogik, als auch im Bereich der Medizin Tendenzen vorliegen, die Kinder wie kleine Erwachsene zu behandeln - weil das viel einfacher ist, als sich auf die Bedürfnisse der rasch Entwickelnden einzustellen
.

Wenn Kinder wie Erwachsene agieren, sind sie berechenbar und einfach "abzuspeisen". Was hat das aber für eine tiefere Bedeutung für die Kinder, für die Kindheit?

Es bedeutet leider eine einschneidende Behinderung menschlicher Entwicklung.

Indem Kinder wie Erwachsene behandelt werden, nimmt man ihnen die Chance eigener Entwicklung und macht sie überdies viel fester, als sie es von Eigennatur aus würden. Und gerade darin liegt die Problematik. Einerseits werden wichtige Entwicklungsschritte verzögert oder verhindert, andererseits werden Verhärtungstendenzen bei den Kindern im Übermaß gefördert, was einen enormen Vorschub auf alle vorzeitigen Verhärtungszustände im späteren Leben leistet - wie wir sie z.B. von der vorzeitigen Demenz und der frühzeitigen Arteriosklerose, aber auch vielen rheumatischen Erkrankungen des Bewegungsapparates kennen.

Und dabei spielen sowohl das soziale tägliche Miteinander, der pädagogische Umgang mit den Kleinen z.B. im Kindergarten und in der Schule, sowie die Art der heutigen Medizin gleichermaßen eine bedeutende Rolle.

Aber auch die Technik hilft im negativen Sinne, die Fähigkeit des Spielsinns, das freie Phantasieren, das freie Assoziieren, das Erfinderischwerden oder einmal das bloße Dahinträumen zu unterdrücken.

Was können wir als Eltern, als Verantwortliche tun, um unseren Kindern einen möglichst guten Entwicklungsrahmen zu bieten? Die Kinder abzuschirmen vor allem und gegen alles? Das ist auch nicht das Wahre, denn wie sollte dann noch Entwicklung möglich sein? Sie einfach allem, was heute auf uns zukommt im Sozialen, im Technischen im Pädagogischen und Medizinischen unkritisch zu überlassen, ist ein ebenso unsachgemäßes Handeln auf der anderen Seite.

Wie kann nun herausgefunden werden, was für ein Kind passend wäre und was eher nicht? Lässt sich das erkennen und beeinflussen?

Wobei es mir als Arzt nicht so sehr darum geht,  welche Rolle die Medizin dabei spielt, sondern vielmehr um eine gute, gesunde Entwicklung der Kinder und um die Frage, was die Medizin zu dieser Entwicklung beitragen kann.

Da muss also für jedes Kind und natürlich auch für jeden Erwachsenen ein individueller Weg, eine individuelle Lösung gefunden werden.

Die Erziehung Ihrer Kinder nehmen Sie vor. Die pädagogische Begleitung in Kindergarten und Schule führen die Pädagogen durch.

In der anthroposophischen Medizin und ihren Behandlungsmethoden gibt es diesbezüglich Ansätze, die individuelle Entwicklung eines Menschen in freilassender Weise medizinisch zu begleiten. Kranksein kann dann auch Unvollkommensein heißen.

Und Unvollkommensein ist ein wesentliches Merkmal eines sich entwickelnden Menschen. Lassen wir unsere Kinder sich entwickeln, wie sie es brauchen. Dann müssen wir sie auch manchmal krank sein lassen. Wir müssen natürlich ihre Krankheit liebevoll und aufmerksam medizinisch begleiten.

Dann gestehen wir ihnen diese Zeit der Entwicklung zu, auf dass sie nach der Genesung gestärkt und weiterentwickelt ihren persönlichen Weg fortsetzen.

In der durch Anthroposophie erweiterten Medizin wird in Diagnostik und Therapie auf die individuelle Entwicklungssituation und auch die willentlich geäußerten Bedürfnisse eines Menschen Rücksicht genommen.


Die naturwissenschaftlich medizinischen Behandlungsmethoden werden durch Anwendung z.B. "potenzierter Medikamente" oder künstlerischer Therapien, wie Heileurythmie, Mal- und Sprachtherapie und Biographiearbeit ergänzt. Aber auch Beratung bezüglich geeigneter Ernährung, geeignetem Spielzeug und kindgerechter Kleidung hat ihren Platz in einer Kindersprechstunde.

 

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last update: 08.04.2017    webmaster